V-I.1 Studie zu Möglichkeit der Beschleunigung bauaufsichtlicher Genehmigungsverfahren am Beispiel Carbonbeton

Foto: DAfStb

Ziel von „CarbonSpeed“ ist die Begleitung des C³-Projektes durch einen Consultingprozess als „Mittler“ zwischen Forschung und Regelwerksetzung mit dem Ziel, dass in enger Abstimmung zwischen dem C3-Konsortium, dem DAfStb und den Entscheidungsträgern für bauaufsichtliche Genehmigungsverfahren zum Abschluss der Forschung ein Leitfaden vorliegt, mit dem die Prozesse für die Markteinführung von Cabonbeton beschleunigt werden können.

Neuere Ansätze in europäischen Normen, die eine versuchsgestützte Bemessung von Betonbauteilen und die Ermittlung der Leistungsfähigkeit von Betonen hinsichtlich ihrer Dauerhaftigkeit anhand von konkreten Prüfverfahren ermöglichen, bieten das Potenzial, die Markteinführung neuer Technologien im Betonbau zu beschleunigen. Dadurch besteht die Chance, die bestehenden Verfahrensschritte von der Forschung bis zu einer allgemeingültigen technischen Regel zu hinterfragen und neue Konzepte zu entwickeln, die einen schnelleren Marktzugang von Produkt- oder Bauteilentwicklungen mit Carbon-beton ermöglichen.

Arbeitsziel von „CarbonSpeed“ ist es, einen Verfahrensweg zu implementieren, der sich zwischen bereits vorhandenen bauaufsichtlichen Nachweislinien einfügt. Für Carbonbeton liegen einige Erfahrungen mit Zustimmungen im Einzelfall (vorhabenbezogene Bauartgenehmigungen nach neuer MBO) vor. Dieser Weg ist inzwischen u. a. durch Amtshilfe zwischen Länderbauaufsichtsbehörden schnell umsetzbar, während die Erwirkung einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung (allgemeine Bauartgenehmigung nach neuer MBO) im Vergleich zu den Zustimmungen im Einzelfall in der Regel aufwändiger ist. In CEN-Gremien, die sich mit der Fortschreibung der Eurocodes bzw. der Normen in der Betontechnik befassen, werden erste leistungsorientierte Ansätze für die Bewertung von Produktneuentwicklungen diskutiert. Innerhalb von „CarbonSpeed“ sollen diese Ansätze auf Carbonbeton übertragen und gemeinsam mit Entscheidungsträgern der Bauaufsicht beraten werden. Konkret sind folgende Nachweise für Carbonbeton möglich:

1)   Versuchsgestützte Bemessung nach DIN EN 1990, Anhang D;

2)   Laborprüfungen (Beton, Bewehrung, Verbund) mit Vergleich zu Referenzmaterialien (z. B. Stahlbeton) gegen festgelegte Grenzwerte oder einen Bewertungshintergrund.

Essenziell für die Akzeptanz dieser Konzepte sind Festlegungen zur Qualitätssicherung. Die Festlegung und bauaufsichtliche Umsetzung der wesentlichen Komponenten:

  • Nachweisverfahren, Beurteilungs- und Bewertungs-verfahren, Verfahren der Bewertung und Bescheinigung der Konformität einschließlich der
  • Durchführung der ersten Laborprüfung, der Bewertung der Ergebnisse, der Entwicklung von Angaben zur Ausführung sowie der bauordnungsrechtlichen Freigabe

hat in den vorgenannten Fällen zwischen zwei und fünf Jahren gedauert. Dieser Zeitraum erscheint optimierbar. Die Laborprüfungen und die Ansätze der versuchsgestützten Bemessung haben großes Potenzial, die Prozesse zur Erwirkung einer allgemeinen Bauartgenehmigung (aBg) für Bauteilentwicklungen mit Carbonbeton deutlich zu beschleunigen. Das Ergebnis der Forschung beinhaltet bereits Empfehlungen für mögliche Anwendungsbereiche von Bauteilen aus Carbonbeton und Angaben zu sinnvollen Prüfungen. Diese Konzepte können als Leitfaden der Technischen Bewertungsstelle (hier: DIBt) oder gegebenenfalls auch direkt dem Regelsetzer (hier: DAfStb) zur Verfügung gestellt werden. Der Leitfaden kann zwischen einer vorhabenbezogenen und der allgemeinen Bauartengenehmigung eingeordnet werden. Eine gegebenenfalls mögliche Übergabe des Leitfadens bereits in die Richtlinienarbeit des DAfStb hinein wird geprüft. Im Zuge der Durchführung der Studie werden bereits vorliegende Erkenntnisse aus dem Projekt V1.2 (Prüftechnik etc.) berücksichtigt.

Verbundkoordinator
Deutscher Ausschuss für Stahlbeton e. V. (DAfStb)

Vorhabenleiter
Dr.-Ing. Udo Wiens

Ansprechpartner
Dr.-Ing. Udo Wiens
+49 030 269 31320
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Prof. Dr.-Ing. Christoph Müller
+49 211 457 8372
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Beteiligte C³-Partner

  1. Deut. Ausschuss für Stahlbeton e.V. (DAfStb)
  2. VDZ gGmbH

Laufzeit: 01.07.2017 – 30.04.2019